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Auf ein Neues: der SV 08 macht sich zu zweiten Mal auf ins Abenteuer Regionallig

 


THEMA DES MONATS

Underdog

Der SV Lippstadt 08 startet in die Regionalliga

 

Nachdem der SV Lippstadt 08 die letzte Spielzeit als Meister der Oberliga Westfalen abschließen konnte, beginnt für die Schwarz-Roten nun dieser Tage das Abenteuer Regionalliga. Zuerst muss das Team von Cheftrainer Daniel Berlinski auswärts in Düsseldorf ran, bevor dann am 4. August im Stadion "Am Bruchbaum" das erste Heimspiel gegen den SV Rödinghausen ansteht. Keine leichte Aufgabe, musste man sich diesem Team vor zwei Monaten im Qualifikationsspiel um den Einzug in die Hauptrunde des DFB-Pokals noch deutlich geschlagen geben.

Janusgesicht
Dass die SVer ihren hochgesteckten Zielen, Stichwort "Vision 2025", in der Spielzeit 2017/18 näher kommen würden, damit war nach einem eher verkorksten Saisonauftakt nicht unbedingt zu rechnen. Anfang Oktober '17 stand die Mannschaft, die aus Sicht der Verantwortlichen durchaus das Zeug zum Aufstieg hatte, gerade mal - wenn auch mit zwei Spielen Rückstand - auf einem unbefriedigenden Platz im Niemandsland des Tabellen-Mittelfeldes. Da greifen dann eben auch in der 5. Liga die bekannten Gesetze des Sports und Stefan Fröhlich, der die Schwarz-Roten seit 2014 zuerst als Co-Trainer und seit 2015 dann als Cheftrainer betreut hatte, wurde freigestellt. Nach einem kurzen Intermezzo des bisherigen Co-Trainers Nick Weber an der Seitenlinie konnte der SV 08 nach einem "Blitzwechsel" noch im gleichen Monat seinen neuen Coach präsentieren: Daniel Berlinski. Der 32-jährige, der einst selbst für Lippstadt spielte, wurde als "absolute Wunschlösung des Vereins" vorgestellt und hielt - was bei Trainerwechseln bekanntlich keine Selbstverständlichkeit ist - was sich die Verantwortlichen von ihm versprochen hatten. Bis zur Winterpause führte er den SV 08 zurück in die Spitzengruppe der Oberliga Westfalen und in der Rückrunde nahm dann der Traum vom Aufstieg und von der Oberliga-Meisterschaft immer realistischere Züge an.
 

Auf ein Neues
Ein kaum für möglich gehal
-tenes Aufstiegs-märchen mit spannendem Happy End. In der Saison 2018/2019 tritt man also nicht mehr gegen Brünninghausen, Sprockhövel, Ennepetal & Co. an, sondern gegen deutlich namhaftere Gegner wie etwa Alemannia Aachen, Rot-Weiß Oberhausen, SG Wattenscheidt oder Rot-Weiß Essen. Und das soll aus Sicht der Lippstädter Verantwortlichen möglichst noch länger so bleiben. Auf Erfolgscoach Daniel Berlinski und sein aktuelles Trainerteam - bestehend aus Felix Bechtold (Co-Trainer), Daniel Lausch (Fitnesstrainer) und Michael Joswig (Torwarttrainer) - kommt damit eine Herkules-Aufgabe zu, denn schließlich sind die Schwarz-Roten aus Sicht des Sportlichen Leiters Dirk Brökelmann praktisch in jeder Partie der David, der gegen Goliath antritt. Ganz verkehrt ist das sicher nicht, beim ersten Ausflug in die vierthöchste Spielklasse reichte es 2013/2014 gerade einmal zu vier Siegen und zwölf Unentschieden. Will man nicht gleich wieder sofort die Segel streichen, müssen diesmal deutlich mehr Pünktchen gesammelt werden. Kein leichtes Unterfangen, wie die Testspielergebnisse in der gerade mal einmonatigen Vorbereitungsphase gezeigt haben. Sieht man mal vom kaum aussagekräftigen 10:0 gegen den A-Ligisten VfB Salzkotten ab, verliefen die anderen Partien eher durchwachsen. Das Benefizspiel gegen den Regionalligisten SC Verl ging mit 1:3 verloren, gegen den Regionalligisten SpVg Schonnebeck reichte es nur zu einem 3:3, gegen Westfalenliga-Aufsteiger RSV Meinerzhagen kam man mit 3:0 unter die Räder, beim Hessenligisten KSV Baunatal konnte man mit 1:0 gewinnen, musste sich dafür aber mit dem gleichen Ergebnis dem Hessenligisten KSV Hessen Kassel geschlagen geben.

Begrenzte Mittel
Finanziell, daran lassen die Verantwortlichen wie gesagt keinen Zweifel, gehören die Schwarz-Roten in der Regionalliga West zu den ganz Kleinen. So gesehen ist es nur zu verständlich, dass man am Bruchbaum der erfolgreichen Linie der jüngeren Vergangenheit treu bleibt und weiter vor allem auf talentierte Spieler setzt, die einen Bezug zur Stadt und zum Verein haben, anstatt Geld auszugeben, das man eigentlich nicht hat, um vermeintliche Top-Akteure zu verpflichten, die dann am Ende womöglich überhaupt nicht halten, was man sich von der üppigen Investition versprochen hat. In der Praxis bedeutet das, dass Cheftrainer Daniel Berlinski mit einem Kader in das Abenteuer Regionalliga 2018/2019 startet, der nur hier und da sinnvoll verstärkt wurde, ansonsten aber weitgehend aus Aufstiegshelden besteht. Sieben Abgängen standen zu Saisonstart fünf externe Neuzugänge gegenüber. Hinzu kommen zwei Spieler aus der eigenen U19, die nun in die 1. Mannschaft aufsteigen. Wie schnell das neu formierte SV-Team eine Einheit bilden wird und was es in der Regionalliga zu leisten vermag, das lässt sich natürlich schwerlich vorhersagen. Aber eines ist sicher, nämlich dass die vielen bekannten Gesichter im Kader ein Garant für eine starke Identifikation der Fans mit ihrem Verein sein werden.

Torleute
Einiges getan hat sich erneut im Kasten der Schwarz-Roten. Bereits im März konnten die Verantwortlichen die Verlängerung des Vertrages mit Stammkeeper Christopher Balkenhoff (23 J.) um weitere zwei Jahre bis 2020 vermelden. "Christopher bringt seit seinem ersten Tag beim SV 08 konstante Leistungen und ist ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft geworden.", so Dirk Brökelmann zu dieser Personalie. Balkenhoff zur Seite steht nun Jannik Erlmann (25 J.), der bisherige Stammtorhüter des Westfa­lenligisten SC Neheim, der dem Vernehmen nach auch im Fokus diverser höherklassiger Vereine gestanden hat. Dritter im Bunde ist schließlich Woj­ciech Kossmann (18 J.), der von der U19 von RW Essen an den Bruchbaum kommt. Der junge Pole trainiert mit den Senioren, kann aber gleichzeitig bei den A-Junioren Spielpraxis sammeln.

Abwehr
Fast unverändert startet die SV-Defensive in die Regionalliga-Saison 2018/2019. Erhalten geblieben sind dem SV 08 Kapitän Fabian Lübbers (26 J.), Marvin Joswig (20 J.), Stefan Kaldewey (25 J.), Yannik Langesberg (23 J.) und Nils Köhler (25 J.). Den Weggang von Hendrik Brauer und Lukas Wulf soll Neuverpflichtung Simon Schubert (27 J.) kompensieren, der vom Westfalenligisten FC Güters­loh nach Lippstadt wechselt und immerhin auch schon ein halbes Dutzend Regionalliga-Spiele absolviert hat. Aus Sicht des Sportlichen Leiters Dirk Brökelmann ist es gerade diese große Erfahrung, die der jungen SV-Mannschaft sicher sehr gut zu Gesicht stehen wird.

Mittelfeld
Etwas mehr getan hat sich in der SV-Schaltzentrale, zählt man die beiden Schwarz-Roten Eigengewächse Marcel und Kevin Hoffmeier (beide 19 J.) mit, die in der Vorsaison aber bereits 11 bzw. 5 Einsätze in der Aufstiegsmannschaft absolviert haben. Für Dirk Brökelmann stehen "Kevin und Marcel Hoffmeier für die hervorragende Jugendarbeit beim SV Lippstadt 08. Beide bestechen durch ihre ausgezeichnete Technik. Marcel ist in der Offensive auf diversen Positionen zuhause. Kevin spielt von Hause aus auf der 6er-Position, ist aber auch anderweitig einsetzbar."
Wirklich neu sind am Bruchbaum deshalb also eigentlich nur Saban Kaptan (25 J.) und Exaucé Andzouana (25 J.). Der offensivstarke Kaptan (25 J.) verfügt trotz seines noch jungen Alters bereits über eine Menge Erfahrung. Er stand in über 100 Begegnungen in der Regionalliga und Oberliga für den SC Wiedenbrück, Roland Beckum und den FC Gütersloh auf dem Platz. "Wir freuen uns sehr, dass sich Saban für den SV entschieden hat. Saban verfügt über eine Menge Erfahrung und ist ein Spieler, der ein Team mitreißen kann", so Lippstadts Sportlicher Leiter Dirk Brökelmann.
Der vorerst letzte Neuzugang vor Saisonstart - das Transferfenster schließt ja erst am 31. August - ist der ehemalige kongolesische U20-Nationalspieler Exaucé Andzouana. Der bislang beim Oberligisten Westfalia Rhynern aktive Spieler soll mit seiner Physis und Schnelligkeit dem SV 08 auf der Außenbahn helfen, eine Position mit einem enormen Laufpensum, auf der die Lippstädter bislang nur sehr junge Akteure einsetzen konnten.
Ihre Position finden müssen die beiden Neuen in einem gut eingespielten SV-Mittelfeld, bestehend aus Robin Hoffmann (27 J.) und der erfolgreichen Winterpausen-Verpflichtung Gerrit Kaiser (24 J.) sowie den beiden jungen Eigengewächsen Paolo Maiella (20 J.) und Valentin Henneke (21 J.), bei denen die SV-Verantwortlichen noch einiges Potenzial sehen. 

Sturm
Die Schwarz-Roten gehen mit drei nominellen Angreifern in die Regionalliga-Saison 2018/2019. Weiter auf Torejagd für den SV 08 gehen Tobias Puhl (27 J.), der es in der Aufstiegssaison immerhin auf 19 Treffer brachte, und Benjamin Klingen (20 J.), der immerhin sieben Mal einnetzte. Verstärkt wird die Abteilung Attacke nun durch Janik Brosch (25 J.), der bis 2020 am Bruchbaum unterschrieben hat. Die SV-Offiziellen hoffen, dass der oberliga- und regionalliga-erfahrene Mittelstürmer, der zuletzt in Diensten des SV Rödinghausen stand, ihrem jungen Team offensiv zu der erforderlichen Durchschlagskraft verhelfen wird.

Dass sind also die - vorerst - 22 Mannen, die Lippstadts zweite Regionalliga-Saison nach Möglichkeit erfolgreicher gestalten sollen als das Viertliga-Debüt der Schwarz-Roten in der Spielzeit 2013/2014. Der Klassenerhalt ist das von den SV-Verantwortlichen ins Auge gefasste Wunschziel. Das klingt nach dem obligatorischen "Ball flach halten", wäre angesichts der recht bescheidenen Möglichkeiten des Vereins bei realistischer Betrachtung schon ein enormer Erfolg. Natürlich entpuppt sich die simple Gleichung kleiner Etat gleich Abstieg, großes Budget gleich rosige sportliche Zeiten nur zu oft als Milchmädchenrechnung. Aber sollte Chefcoach Daniel Berlinski mit seiner weiterhin recht jungen SV-Truppe in den kommenden Monaten um mehr als den Klassenerhalt kämpfen, wäre das wohl gleich das nächste Wunder. Und die gibt es erfahrungsgemäß wohl doch nur im Schlager immer wieder...)


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